Saarbrücken. Kulturdezernent Thomas Brück hat am Mittwoch, 5. Juli, im Rathaus St. Johann das Programm der Saarbrücker Sommermusik 2017 vorgestellt.

Die Veranstaltungsreihe verbindet jedes Jahr einen literarisch-philosophischen Themenkomplex mit entsprechender Musik. Das Motto der Sommermusik 2017 „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit“ stammt aus dem großen Romanzyklus „Josef und seine Brüder“ von Thomas Mann (1875 bis 1955). Dieses Jahr stehen Thomas Mann und die Musik der „konservativen Moderne“ im Mittelpunkt des Festivals. Die Konzerte beschäftigen sich einerseits mit dem Topos „Nostalgie“, aber auch mit „Verfall, Todesfurcht und Todessehnsucht“. Andererseits stehen verschiedene Aspekte von Thomas Manns Werk im Mittelpunkt.

Die Spielstätten der Sommermusik sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und spiegeln den Charakter der jeweiligen Aufführung wider. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.

InZeit-Ensemble spielt zur Eröffnung – Konzerte im Herbst auch in diesem Jahr

Die Sommermusik 2017 beginnt am Freitag, 28. Juli, mit einem Konzert des InZeit-Ensembles im Rathausfestsaal. Das Ensemble widmet sich der Neuen Musik unter dem Motto „Streich-Hölzer“ und beschäftigt sich unter anderem mit der Kombination von Holzbläsern und Streichern. In den folgenden Monaten stehen rund 40 Veranstaltungen auf dem Programm, die Musikliebhabern Jazz, Kammermusik, Neue Musik und Musiktheater bieten. Eines der Konzerte widmet sich dem Andenken an den bedeutenden Klarinettisten Eduard Brunner, der im April verstorben ist und im vergangenen Jahr bei der Sommermusik sein letztes öffentliches Konzert gegeben hatte. Ein ganzer Tag im September wird mit neun Konzerten von morgens um sieben Uhr bis nachts um ein Uhr an unterschiedlichen Spielorten in der Stadt gestaltet. Neben historischer Musik stehen auch zahlreiche Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten auf dem Programm, die sich vor allem um Themen aus dem Werk von Thomas Mann bewegen.

Auch das Abschlusskonzert am Sonntag, 24. September, ist wieder ein Orchesterkonzert. Das Kammerorchester Ricercare spielt die Streicherserenade von Edvard Elgar und Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“. Außerdem präsentieren die Musikerinnen und Musiker eine Uraufführung des israelischen Komponisten Tzvi Avni, der dieses Jahr seinen 90. Geburtstag begeht.

Ein Epilog im November, die Herbstmusik, ergänzt auch dieses Jahr wieder das Festival mit insgesamt vier Veranstaltungen.

Thomas Manns Literatur liefert Inspiration zur diesjährigen Sommermusik

Thomas Mann gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Erzählern des 20. Jahrhunderts. Besonders in seinen Romanen, die mit großer Sprachkunst komplexe philosophische und historische Fragen behandeln, hat er eine geradezu mustergültige Epik geschaffen. Manns Werk beschäftigt sich immer auch mit den Belangen der menschlichen Existenz im Allgemeinen und kann in diesem Sinn als „klassisch“ bezeichnet werden. In seinen Werken geht das Bedauern über den Verfall von Traditionen mit der Erkenntnis des ständigen Wechsels einher, der bei Mann stets skeptisch bewertet wird.

Dieser Literatur ist eine Sehnsucht nach alten Werten eigen, die Beschäftigung mit dem Vergänglichen, dem gesellschaftlichen Niedergang und dem Tod des einzelnen Menschen. Diese konservative Haltung findet sich auch im Werk vieler Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder. Im Gegensatz zu den expressionistischen und futuristischen Experimenten, die kennzeichnend für die musikalische Moderne sind, besinnen sie sich eher auf Traditionen des 19. Jahrhunderts und entwickeln auf dieser Basis oft ganz eigene Tonsprachen.

Komponisten von Richard Strauss bis Johann Sebastian Bach im Programm

Richard Strauss, der vielleicht prominenteste Vertreter der „konservativen Moderne“, hat die vielen kulturellen Brüche des 20. Jahrhunderts unbeschadet überstanden und steht nach wie vor an prominenter Stelle der Konzertprogramme. Viele seiner Kollegen sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten, manche wurden erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt, wie Gustav Mahler. Das lag oft daran, dass viele dieser Komponisten jüdischer Herkunft waren und in Deutschland während der nationalsozialistischen Diktatur nicht mehr gespielt wurden. Nach dem Krieg begegnete außerdem besonders die von Adorno beeinflusste Musikkritik allem, was unter dem Verdacht einer rückwärtsgewandten Ästhetik stand, mit großer Skepsis.

Bemerkenswert sind die kulturellen Unterschiede, die zwischen dem deutschsprachigen Raum und anderen Ländern deutlich werden. So hat sich zum Beispiel in Großbritannien eine ganz andere Musiktradition herausgebildet, die viel stärker von der Ästhetik der Spätromantik beeinflusst ist als zum Beispiel die Neue Musik in Deutschland. Einige Konzerte der Sommermusik werden sich den englischen Komponisten im Umfeld von Edvard Elgar widmen. Einen weiteren Schwerpunkt legt das Festival auf die Beziehungen der Musik von Max Reger mit jener von Johann Sebastian Bach. Besonders Regers Solosuiten für bestimmte Streichinstrumente korrespondieren mit dem Werk Bachs. Eine Entdeckung der diesjährigen Sommermusik könnte der Schweizer Komponist Othmar Schoeck (1886 – 1957) werden. Obwohl er ein großes musikalisches Werk mit unzähligen Liedern, Opern, Kammermusik und Instrumentalmusik hinterlassen hat, die in einer unverwechselbaren, einzigarten Musiksprache verfasst sind, werden seine Stücke außerhalb der Schweiz nur selten aufgeführt.

Die Konzerte der Sommermusik konzentrieren sich nicht nur auf ausgewählte Komponisten, sondern auch auf bestimmte Instrumente und Instrumentenkonstellationen. In diesem Jahr stehen die Holzbläser im Mittelpunkt. Die beteiligten Musiker kommen aus unserer Region, in der viele international gefragte Musikerpersönlichkeiten zuhause sind. Traditionell nehmen darüber hinaus Gäste aus ganz Deutschland und aus dem Ausland an der Sommermusik teil.

Sommermusik zeigt Zusammenhänge zwischen Jazz und Kammermusik auf

Die Saarbrücker Sommermusik will Zusammenhänge zwischen Jazz und Kammermusik aufzeigen. Das Programm beinhaltet auch dieses Jahr wieder beide Musikgenres und Konzerte, die diese Richtungen miteinander vereinen.

Die Reihe der Landeshauptstadt Saarbrücken kooperiert mit der evangelischen Kirchengemeinde Bischmisheim/Scheidt, der Synagogengemeinde des Saarlandes, der Stadtgalerie Saarbrücken, dem Amt für Stadtgrün und Friedhöfe, dem Hotel Domicil Leidinger, dem Kleinen Theater im Rathaus, dem Theater im Viertel, der Musikschule Saarbrücken, dem Projekt ini-Art, dem Kino Achteinhalb, der VHS Saarbrücken, dem Saarländischen Rundfunk und dem Projekt Johanneskirche.

Die Sommermusik wird unterstützt von SR2 Kulturradio, dem Hotel Domicil Leidinger, dem Saarlandmuseum, der Stadtgalerie und der COD Büroservice GmbH.

Weitere Infos und das Programm zum Download stehen unter www.saarbruecken.de/sommermusik zur Verfügung.

 

 

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